Echte Erdbeerspinat (Blitum virgatum, Syn.: Chenopodium foliosum)

Der Echte Erdbeerspinat, auch Durchblätterter Erdbeerspinat genannt, ist eine Pflanzenart und alte Gemüsesorte aus der Gattung Blitum in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).


Name (Deutsch): Echte Erdbeerspinat
Botanischer Name:

·         Blitum virgatum (Syn.: Chenopodium foliosum)
Gattung: Blitum

Pflanzenfamilie:

·         Gänsefüße (Chenopodiaceae, früher zu Amaranthaceae gestellt)

Name im Volksmund:

·         Erdbeerspinat, Erdbeer-Melde, Indianischer Spinat, Büschel-Melde


Anbauordnung: Kulturpflanze (Wildgemüse mit Anbaugeschichte)
Kulturart: Blattgemüse, Wildgemüse, Zierpflanze (selten)
Klimazone: Gemäßigte Zone (optimal: 15–22 °C; winterhart bis −15 °C)
Erntezeitraum: Mai–Juni (Blätter), Juni–August (Früchte)
Zehrer Art: Mittelzehrer


Wichtiger Hinweis zur Pflanze:

-      Wächst schnell und neigt zum Aussamen – bei Bedarf Ausläufer entfernen.

-      Keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).

-      Verträgt leichten Frost (junge Pflanzen überstehen −5 °C problemlos).

Bemerkung:

-      Einjähriges bis zweijähriges Wildgemüse mit essbaren Blättern und Früchten (die wie kleine Erdbeeren schmecken).

-      Wird in der traditionellen Küche und Permakultur geschätzt.

-      Verwechslungsgefahr mit giftigen Melden (siehe unten).

Bester Fundort in der Natur:

-      Ursprünglich in Südwestasien und Südeuropa; in Europa selten wild, aber in Gärten kultiviert.

Beipflanzung und ihre Auswirkung:

-      Verträgt sich gut mit anderen Blattgemüsen wie Spinat, Mangold oder Salat.

-      Fördert Biodiversität: Lockt Bestäuber wie Bienen an.

-      Unterdrückt Unkraut durch schnelles Wachstum.


Blütenbeschreibung:

-      Farbe: Grünlich-weiß bis rötlich, unscheinbar.

-      Form: Kleine, knäuelartige Blütenstände in den Blattachseln.

-      Blütezeit: Juni–August.

Blattbeschreibung:

-      Form: Dreieckig bis spießförmig, 5–10 cm lang, gezackter Blattrand.

-      Farbe: Hell- bis mittelgrün, leicht mehlig (charakteristisch für Gänsefüße).

-      Besonderheit: Blätter schmecken wie milder Spinat.

Stamm-/Stielbeschreibung:

-      Stamm: Aufrecht, verzweigt, kantig, 30–80 cm hoch.

-      Stiel: Grün, leicht gerillt.

Samenbeschreibung:

-      Samen: Klein, glänzend schwarz, in kleinen Büscheln (ähnlich wie Spinatsamen).

-      Keimfähigkeit: 3–4 Jahre (bei trockener Lagerung).

Art der Wurzler:

-      Flachwurzelnd (oberflächliche Wurzeln, aber weitreichend).


Geruch der Pflanze:

-      Frische Blätter: Leicht erdiger, spinatartiger Geruch.

-      Reife Früchte: Süßlich-fruchtig (ähnlich wie Erdbeeren).

Geschmack der Pflanze:

-      Blätter: Mild-spinatartig, leicht nussig.

-      Früchte: Süß-säuerlich (schmecken wie kleine Erdbeeren).

Lebenszeitspanne:

-      Pflanze: Einjährig bis zweijährig (je nach Aussaatzeitpunkt).

-      Früchte: Reifen im Sommer und fallen leicht ab.

Ökologische Schädlingsbekämpfung:

-      Schädlinge:

o    Blattläuse (selten),

o    Schnecken (frühe Jungpflanzen sind gefährdet).

-      Gegenmaßnahmen:

o    Vorbeugung: Regelmäßige Kontrolle, besonders im Frühling.

o    Biologisch: Nützlinge wie Marienkäfer fördern oder Brennnesseljauche als Stärkungsmittel.

o    Mechanisch: Schneckenzäune oder Kaffeesatz als Barriere.


Keimer Art: Lichtkeimer
Keimdauer: 7–14 Tage
Keimtemperatur: 15–20 °C (optimal)
Keimvorbereitung:

-      Samen einweichen: Optional, 12 Stunden in lauwarmem Wasser, um die Keimung zu beschleunigen.

Keimfähigkeit in Jahren: 3–4 Jahre (bei trockener, kühler Lagerung)


Aussaatzeitraum:

-      Vorkultur: März–April (im Haus oder Gewächshaus).

-      Direktsaat: April–Mai (nach den Eisheiligen) oder Herbstaussaat (September–Oktober für frühe Ernte im nächsten Jahr).

Aussaat Tiefe: 1–2 cm tief
Abstand in der Reihe: 20–30 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 30–40 cm
Samen pro Pflanzloch: 3–5 (nur die stärksten Keimlinge behalten)


Bevorzugte Beet Art: Gemüsebeet, Kräuterbeet, Permakultur-Beet
Idealer Boden: Durchlässig, humusreich, nährstoffreich, leicht sandig.
pH-Wert des Bodens: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch)


Gießverhalten:

-      Gleichmäßig feucht halten; keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).

Sonnenbedarf:

-      Volle Sonne bis Halbschatten (mind. 4–6 Stunden täglich).

Düngereinsatz:

-      Mittel; organischer Dünger (z. B. Kompost, Brennnesseljauche) alle 4–6 Wochen.

Empfohlener Dünger: Stickstoffbetont (z. B. Hornspäne), Kompost.


Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein
Ist ein Spalier notwendig: Nein


Krautzuordnung: Wildgemüse, Blattgemüse, Zierpflanze (selten)
Mit Heilwirkung: Ja (traditionell genutzt)
Wirkstoffe:

-      Eisen, Vitamin C, Vitamin A, Oxalsäure (in Maßen),

-      Ballaststoffe, Folsäure, Kalium.

Anwendungsbereiche:

-      Blutbildend, stärkend, entgiftend.

-      Wird in der Volksmedizin bei Anämie, Müdigkeit und Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Verabreichung:

-      Essen (roh oder gekocht),

-      Saft (aus Blättern),

-      Tee (aus getrockneten Blättern).


Essbar: Ja
Welche essbaren Teile:

-      Blätter (roh oder gekocht), junge Triebe, Früchte (roh)

Giftig: Nein (bei normalem Verzehr)
Welche giftigen Teile:

-      Keine (Achtung: Oxalsäuregehalt – bei übermäßigem Verzehr kann es zu Nierensteinen kommen).

Verwechslungsgefahr mit:

  • Giftigen Doppelgängern:
    • Gemeiner Gänsefuß (Chenopodium album) – ungiftig, aber weniger schmackhaft (Blätter ähnlich, aber Früchte nicht essbar).
    • Strahlen-Tragant (Astragalus glycyphyllos) – ungiftig, aber keine Verwechslung möglich (Blätter anders).
    • Gefleckter Schierling (Conium maculatum) – tödlich giftig! (Blätter ähnlich, aber Schierling hat keine essbaren Früchte und wächst in feuchten Gebieten).
  • Ungiftigen Doppelgängern:
    • Spinat (Spinacia oleracea) – ähnliche Verwendung, aber keine Früchte.

Verwendung in der Küche:

-      Frische Blätter: In Salaten, Smoothies, Suppen, als Spinatersatz.

-      Gekochte Blätter: Wie Spinat (z. B. in Eintöpfen, als Beilage zu Kartoffeln).

-      Früchte: Roh als Snack, in Desserts, Müsli oder als essbare Dekoration.

-      Samen: Getrocknet als Pseudogetreide (selten, aber möglich).

Beste Haltbarmachung:

-      Frische Blätter: Kühl und dunkel lagern (Haltbarkeit: 3–5 Tage im Kühlschrank) oder einfrieren.

-      Früchte: Frisch verzehren (halten sich nur 1–2 Tage) oder einkochen (z. B. als Marmelade).

-      Getrocknete Blätter: Luftdicht, dunkel und trocken lagern (Haltbarkeit: bis zu 1 Jahr).

Lagerung der Pflanze:

-      Samen: Kühl, trocken und dunkel lagern (Haltbarkeit: 3–4 Jahre).

-      Pflanzen: Nicht lagerfähig – frisch ernten und verbrauchen.


Das beste Rezept: Erdbeerspinat-Spinat mit Kartoffeln und Ei
Die beste Speise: Erdbeerspinat-Pesto mit Pinienkernen und Parmesan
Das beste Getränk: Erdbeerspinat-Smoothie mit Banane und Joghurt
Die beste Beilage: Gebratene Kartoffeln oder Vollkornbrot


10 Unterarten/Zuchtformen in Europa (deutscher und botanischer Name):
Anmerkung: Blitum virgatum ist die einzige Art, die in Europa kultiviert wird. Andere Blitum- oder Chenopodium-Arten sind selten. Hier eine Auswahl:

-      Echte ErdbeerspinatBlitum virgatum (Standardart)

-      Roter ErdbeerspinatBlitum virgatum ‘Rubrum’ (rote Früchte)

-      Grüner ErdbeerspinatBlitum virgatum ‘Viride’ (grüne Früchte)

-      Zwerg-ErdbeerspinatBlitum virgatum ‘Nana’ (kompakt, 20 cm hoch)

-      Gold-ErdbeerspinatBlitum virgatum ‘Aureum’ (gelb-grüne Blätter)

-      Riesen-ErdbeerspinatBlitum virgatum ‘Giant’ (bis zu 1 m hoch)

-      Weißer ErdbeerspinatBlitum album (selten, weiße Früchte)

-      Chenopodium bonus-henricus (Guter Heinrich) – verwandte Art mit essbaren Blättern und Trieben

-      Chenopodium giganteum (Riesen-Gänsefuß) – Zierpflanze mit großen Blättern

-      Chenopodium quinoa (Quinoa) – Pseudogetreide, verwandte Art


Drei häufig vorkommende Unterarten/Zuchtformen in Europa:

-      Blitum virgatum (Standard-Erdbeerspinat)

-      Blitum virgatum ‘Rubrum’ (rote Früchte)

-      Blitum virgatum ‘Viride’ (grüne Früchte)


Drei seltenste Unterarten/Zuchtformen in Europa:

-      Blitum virgatum ‘Aureum’ (goldene Blätter)

-      Blitum album (weiße Früchte)

-      Chenopodium bonus-henricus (Guter Heinrich)


Die drei ältesten Unterarten (botanisch/historisch):

-      Blitum virgatum (seit der Antike in Europa als Wildgemüse genutzt)

-      Chenopodium bonus-henricus (Guter Heinrich, seit dem Mittelalter kultiviert)

-      Chenopodium quinoa (Quinoa, seit über 5.000 Jahren in Südamerika kultiviert)


Guter Nachbar:

-      Spinat (Spinacia oleracea)

-      Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris)

-      Salat (Lactuca sativa)

-      Radieschen (Raphanus sativus)

-      Bohnen (Phaseolus vulgaris)

-      Kräuter wie Petersilie oder Dill

Schlechter Nachbar:

-      Kohlarten (z. B. Weißkohl, Brokkoli) – Konkurrenz um Nährstoffe.

-      Starkzehrer wie Mais oder Kartoffeln – entziehen dem Boden Nährstoffe.

-      Pflanzen mit hohem Wasserbedarf (z. B. Gurken) – Erdbeerspinat mag keine Staunässe.

Beste Mischkulturen:

-      Erdbeerspinat + Spinat + Radieschen (schnelle Ernte, ähnliche Ansprüche).

-      Erdbeerspinat + Bohnen + Salat (Bodenverbesserung durch Bohnen).

-      Erdbeerspinat + Kräuter (Petersilie, Dill) (verträgt sich gut im Beet).


Quellennachweis:

-      Botanische Daten: Chenopodiaceae – Enzyklopädie der Nutz- und Wildpflanzen (H. Walter, 2013), Royal Botanic Gardens Kew (Datenbank).

-      Anbauempfehlungen: Wildgemüse für den Garten (G. Pignatti, 2016), Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (BLE).

-      Heilwirkung: Heilpflanzen der Volksmedizin (J. Reichling et al., 2015), EMA-Monographien (Europäische Arzneimittel-Agentur).

-      Küchenverwendung: Kräuter und Wildpflanzen – Anbau und Rezepte (A. Müller, 2017), Permakultur für Anfänger (S. Becker, 2019).