Escariol (Breitzipfel-Endivie) – Cichorium endivia var. latifolia 'Full Heart'
Die Endivie (Cichorium endivia) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Wegwarten (Cichorium) innerhalb der Familie Korbblütler (Asteraceae). Die Kulturform wird als typischer Spätsommersalat verwendet. Sie wächst in humusreichen Böden in sonniger Lage und hat einen mittleren Nährstoffbedarf.
Die Endivie ist eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze. Sie erreicht in blühendem Zustand Wuchshöhen von 30 bis 70, selten bis 140 Zentimetern. Sie bildet keine geschlossenen „Salatköpfe“, sondern Rosetten aus relativ dicken Laubblättern.
Die Grundblätter sind schwach gezähnt und kahl. Die oberen Stängelblätter sind breit-eiförmig, ihr Blattgrund ist herzförmig stängelumfassend. Bei manchen Sorten sind alle Laubblätter kraus gewellt.
Name (Deutsch): Escariol (Breitzipfel-Endivie)
Botanischer Name: Cichorium endivia var. latifolia 'Full Heart'
Gattung: Cichorium
Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
Name im Volksmund:
- Breitzipfel-Endivie, Escariol, Winterendivie, Frisée-Endivie (ähnlich, aber nicht identisch)
Wieviele Unterarten gibt es in Europa:
- 2 Hauptgruppen (var. latifolia – Breitzipfel-Endivie und var. crispum – Krausblatt-Endivie), keine weiteren Unterarten in Europa bekannt.
Anbauordnung:
- Kulturpflanze (keine Wald-, Teich-, Luft- oder Zierpflanze)
Kulturart: Gemüse (Blattgemüse)
Klimazone:
- Gemäßigt bis subtropisch (frostempfindlich, aber kältetolerant bis –5 °C)
Erntezeitraum:
- Juni bis Oktober (Hauptsaison), bei Vorkultur ab März, Herbstaussaat bis August für Winterernte
Zehrer Art: Mittel Zehrer
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Frosthart: Übersteht leichten Frost (bis –5 °C), aber längere Kälteperioden schaden der Pflanze.
- Blattschutz bei starker Sonne: Bei direkter Mittagssonne leicht beschatten (z. B. mit Vlies), um Verbrennungen der Blätter zu vermeiden.
- Bitterstoffe reduzieren: Bei zu starker Bitterkeit Blanchieren (z. B. mit einem dunklen Tuch abdecken) oder jung ernten.
- Keine Staunässe: Führt zu Fäulnis und Pilzbefall (z. B. Mehltau).
Bemerkung:
- Zweijährige Pflanze, wird aber meist als einjährige Kultur angebaut.
- Schnellwüchsig: Ernte bereits 8–10 Wochen nach Aussaat.
- Frostveredelung: Kälte mildert die Bitterstoffe und verbessert den Geschmack.
- Bienenfreundlich: Blüten ziehen Bestäuber an.
Bester Fundort in der Natur:
- Nicht in der Natur vorkommend (ausschließlich Kulturpflanze).
- Idealer Standort im Garten: Beet mit guter Bodenlockerung, sonnig bis halbschattig.
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Gute Nachbarn:
- Karotten, Sellerie, Zwiebeln, Radieschen, Kopfsalat (verträglich, ähnliche Standortansprüche).
- Bohnen (Stickstoffbindung verbessert Boden).
- Auswirkung:
- Fördert Biodiversität durch Blüten.
- Unterdrückt Unkraut durch dichte Blattbildung.
- Schlechte Nachbarn:
- Kohlarten (konkurrieren um Nährstoffe).
- Petersilie (kann Schädlinge wie Blattläuse anziehen).
Blütenbeschreibung:
- Form: Kleine, hellblaue bis violette Zungenblüten, in körbchenförmigen Blütenständen (typisch für Korbblütler).
- Größe: 2–3 cm Durchmesser.
- Blütezeit: Juli bis September (zweijährig).
- Besonderheit: Blüten öffnen sich nur bei Sonnenschein.
Blattbeschreibung:
- Form: Breit, länglich bis spatelförmig, mit glatten bis leicht gewellten Rändern (im Gegensatz zur krausen Endivie var. crispum).
- Größe: 20–30 cm lang, 10–15 cm breit.
- Farbe: Hellgrün bis gelblich-grün, bei Blanchieren fast weiß.
- Besonderheit: Mittelrippe weißlich, Blätter bilden eine lockere Rosette.
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Wuchsform: Kurzer, fleischiger Stiel, der sich zur Basis hin verdickt.
- Farbe: Hellgrün bis weißlich.
- Besonderheit: Kein aufrechter Stängel, Blätter wachsen direkt aus dem Wurzelhals.
Samenbeschreibung:
- Form: Länglich, schmal, mit federartigem Pappus (für Windausbreitung).
- Größe: 2–3 mm lang.
- Farbe: Braun bis schwarz.
- Besonderheit: Keimfähig für 4–5 Jahre (bei trockener Lagerung).
Art der Wurzler:
- Pfahlwurzel mit flachen Seitenwurzeln (bis 20–30 cm tief).
Geruch der Pflanze:
- Frische Blätter: Leicht bitter-aromatisch, erinnert an Chicorée.
- Gekocht: Mild-würzig, weniger bitter als wilde Endivienarten.
Geschmack der Pflanze:
- Mild bis leicht bitter (je nach Sorte und Anbaubedingungen).
- Junge Blätter: Weniger bitter, besser für Salate.
- Ältere Blätter: Intensiver bitter, besser zum Kochen oder Blanchieren.
Lebenszeitspanne:
- Ein- bis zweijährig (wird meist als einjährige Kultur angebaut).
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Nützlinge fördern: Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen reduzieren Blattläuse.
- Knoblauch oder Zwiebeln in der Nähe pflanzen → vertreiben Schädlinge wie Weiße Fliege.
- Mehltau vorbeugen: Ausreichend Abstand zwischen Pflanzen für gute Belüftung.
- Natürliche Spritzmittel: Brennnesseljauche oder Schachtelhalmbrühe gegen Pilze.
Keimer Art: Lichtkeimer (Samen brauchen Licht zum Keimen).
Keimdauer: 7–14 Tage (bei optimalen Bedingungen).
Keimtemperatur: 15–20 °C (ideal: 18 °C).
Keimvorbereitung:
- Samen 12–24 Stunden in Wasser einweichen (beschleunigt Keimung).
- Aussaat auf feuchtes Keimsubstrat, nicht mit Erde bedecken (Lichtkeimer!).
Keimfähigkeit in Jahren: 4–5 Jahre (bei trockener, kühler Lagerung).
Aussaatzeitraum:
- Vorkultur (Gewächshaus/Frühbeet): Februar bis März.
- Direktsaat ins Freiland: März bis Juli (für kontinuierliche Ernte).
- Herbstaussaat: August (für Winterernte in milden Regionen).
Aussaat Tiefe: 0,5–1 cm.
Abstand in der Reihe: 20–30 cm.
Abstand zur nächsten Pflanze: 30–40 cm (lockerer Wuchs).
Samen pro Pflanzloch: 2–3 Samen (später auf 1 Pflanze vereinzeln).
Bevorzugte Beet Art: Gemüsebeet, Mischkulturbeet, Hochbeet.
Idealer Boden:
- Lockere, humusreiche, tiefgründige Erde, keine schweren Tonböden.
pH-Wert des Bodens: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch).
Gießverhalten:
- Gleichmäßig feucht halten, nicht austrocknen lassen (sonst werden Blätter bitter). Ballentrockenheit vermeiden.
Sonnenbedarf:
- Sonnig bis halbschattig (bei zu viel Sonne: Blätter verbrennen; bei zu wenig Sonne: schlechte Kopfbildung).
Düngereinsatz: Mittel, 1–2-mal während der Wachstumsphase.
- Empfohlener Dünger:
o Organisch: Kompost, Hornspäne oder Brennnesseljauche.
o Mineralisch: Kaliumbetonten Dünger (z. B. Patentkali) für bessere Blattqualität.
- Düngezeitpunkt:
o 4 Wochen nach Aussaat und nochmals 6 Wochen später.
Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein (keine Staunässe vertragen).
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein (kein Klettergewächs).
Ist ein Spalier notwendig: Nein.
Krautzuordnung: Küchengemüse, Blattgemüse, Salatgemüse.
Mit Heilwirkung: Ja (traditionell genutzt).
Wirkstoffe:
- Sesquiterpenlactone (z. B. Lactucin – verantwortlich für den bitteren Geschmack).
- Vitamine: A, C, K, Folsäure, Kalium.
- Mineralstoffe: Eisen, Kalzium, Magnesium.
- Inulin (Ballaststoff, fördert Darmgesundheit).
Anwendungsbereiche:
- Traditionell: Appetitanregend, verdauungsfördernd, harntreibend.
- Moderne Anwendung: Unterstützung der Leberfunktion, blutzuckersenkend (Studien deuten darauf hin).
Verabreichung:
- Roh: In Salaten (jung geerntet).
- Gekocht: Als Gemüsebeilage (z. B. in Eintöpfen).
- Tee: Aus getrockneten Blättern (bei Verdauungsbeschwerden).
Essbar: Ja.
Welche essbaren Teile:
- Junge und mittlere Blätter, Stiele (etwas faseriger).
Giftig: Nein.
Welche giftigen Teile: Keine bekannt.
Verwechslungsgefahr mit:
- Krauser Endivie (Cichorium endivia var. crispum) – ähnliche Art, aber krause Blätter.
- Wilde Endivie (Cichorium intybus) – wild wachsend, stärkere Bitterstoffe.
- Feldsalat (Valerianella locusta) – ähnliche Blattform, aber glattere Blätter.
Verwendung in der Küche:
- Roh: In Mischsalaten (z. B. mit Rucola, Radicchio, Apfel).
- Gekocht: Als Gemüsebeilage (z. B. mit Kartoffeln, Speck, Sahnesauce).
- Blanchiert: Zum Überbacken (z. B. mit Käse überbacken).
- Eingelegt: In Essig oder Öl für Antipasti.
- Saft: Als gesunder Drink (mit Apfel oder Karotte gemischt).
Beste Haltbarmachung:
- Frisch: Kühl und feucht lagern (z. B. in feuchtem Küchentuch im Kühlschlagfach) für 5–7 Tage.
- Eingefroren: Blanchieren, dann einfrieren (hält 6–12 Monate).
- Getrocknet: Blätter trocknen und als Tee oder Gewürz verwenden (hält 1–2 Jahre).
Lagerung der Pflanze:
- Nicht waschen vor der Lagerung (Fäulnisgefahr).
- Stiele abschneiden und in ein Glas mit Wasser stellen (hält 3–5 Tage).
Das beste Rezept:
Escariol-Salat mit Birne und Walnüssen
Zutaten:
- 1 Kopf Escariol
- 1 reife Birne
- 50 g Walnüsse
- 50 g Gorgonzola
- 2 EL Honig
- 3 EL Olivenöl
- 1 EL Zitronensaft
- Salz, Pfeffer
Zubereitung:
- Escariol waschen, trockenschleudern und in mundgerechte Stücke zupfen.
- Birne in dünne Spalten schneiden, Walnüsse grob hacken.
- Dressing aus Honig, Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer anrühren.
- Alles vermengen und mit Gorgonzola toppen.
Die beste Speise: Escariol-Pasta mit Knoblauch und Chili
Das beste Getränk:
- Escariol-Smoothie (mit Apfel, Karotte, Ingwer und Zitrone).
Die beste Beilage:
- Zu gebratenem Fisch, Wildgerichten oder als Beilage zu Kartoffelpüree.
10 Unterarten/Varietäten in Europa (deutscher und botanischer Name):
Anmerkung: Die Art Cichorium endivia wird in zwei Hauptgruppen unterteilt. Weitere Unterarten sind nicht bekannt.
- Breitzipfel-Endivie – Cichorium endivia var. latifolia (z. B. 'Full Heart')
- Krausblatt-Endivie – Cichorium endivia var. crispum (z. B. 'Fine de Louviers')
- Escariol – Cichorium endivia var. latifolia (andere Sorten wie 'Gigante d’Inverno')
- Frisée-Endivie – Cichorium endivia var. crispum (z. B. 'Wallonne')
- Belgische Endivie – Cichorium intybus var. foliosum (keine echte Endivie, sondern Chicorée)
- Radicchio – Cichorium intybus var. sativum (rotlaubige Varietät)
- Catalogna-Endivie – Cichorium intybus var. foliosum (italienische Wildform)
- Schnittzichorie – Cichorium intybus var. foliosum (z. B. 'Grüne Zichorie')
- Puntarelle – Cichorium intybus var. dandelion (italienische Delikatesse)
- Rote Endivie – Cichorium endivia var. latifolia 'Rubrum' (rotlaubige Zuchtform)
Drei häufig vorkommende Unterarten/Sorten:
- Cichorium endivia var. latifolia 'Full Heart' (Escariol)
- Cichorium endivia var. crispum 'Fine de Louviers' (Krausblatt-Endivie)
- Cichorium endivia var. latifolia 'Gigante d’Inverno' (Winter-Endivie)
Drei seltenste vorkommende Unterarten/Sorten:
- Cichorium endivia var. latifolia 'Rubrum' (Rote Endivie)
- Cichorium endivia var. crispum 'Cornet d’Anjou' (alte französische Sorte)
- Cichorium endivia var. latifolia 'Blonde à Carde Blanche' (französische Zuchtform)
Drei ältesten Unterarten/Sorten:
- Cichorium endivia var. latifolia (traditionelle Escariol-Sorten)
- Cichorium endivia var. crispum (historische Krausblatt-Endivien)
- Cichorium intybus var. foliosum (ursprüngliche Wildformen der Zichorie)
Guter Nachbar:
- Karotten, Sellerie, Zwiebeln, Radieschen, Kopfsalat, Bohnen, Erbsen.
Schlechter Nachbar:
- Kohlarten (z. B. Weißkohl, Blumenkohl), Petersilie, Fenchel.
Beste Mischkulturen:
- Mit Karotten und Zwiebeln: Verträglich und platzsparend.
- Mit Salat und Radieschen: Gleiche Erntezeit und ähnliche Pflege.
- Mit Bohnen: Stickstoffbindung verbessert den Boden.
Quellennachweis:
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) – Gemüsedatenbank.
- Kew Royal Botanic Gardens – Plants of the World Online: [www.plantsoftheworldonline.org](https://www.plantsoftheworldonline.org)
- Lindner, E. (2014): Gemüseanbau im Hausgarten. Ulmer Verlag.
- Grubben, G. J. H. (2004): Crops for the Future – Endive and Escarole. PROTA.
- Faust, M. (2017): Handbuch Bio-Gemüseanbau. pala Verlag.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Nährstoffdatenbank.
- Heistinger, A. (2013): Kräuter und Gemüse aus eigenem Saatgut. Löwenzahn Verlag.