Aromatisches Cola-Kraut (Artemisia abrotanum var. maritima)

Die saftigen, optisch an Dill erinnernden Triebe verbreiten einen besonders aromatischen Duft der stark an Cola erinnert.
Sogar getrocknet findet sie Verwendung als Mottenabwehr in Stoffsäckchen.
Schwangere und Stillende Frauen sollten auf den Verzehr verzichten.
Aromatisches Cola-Kraut ist eine aromatische, dekorative Pflanze mit einem einzigartigen, kolahaltigen Duft und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in Küche, Heilkunde und Garten.


Name (Deutsch): Aromatisches Cola-Kraut
Botanischer Name: Artemisia abrotanum var. maritima
Gattung: Artemisia
Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
Name im Volksmund:

  • Eberraute, Zitronen-Aberraute, Meer-Aberraute, St. Johannis-Gras, Gottesodem

Wie viele Unterarten gibt es in Europa?

  • Artemisia abrotanum umfasst mehrere Varietäten, darunter var. maritima.
  • Insgesamt sind in Europa etwa 5–7 Unterarten und Varietäten bekannt, darunter:

o    Artemisia abrotanum var. abrotanum

o    Artemisia abrotanum var. maritima

o    Artemisia abrotanum var. proceriformis

o    Artemisia abrotanum var. humilis

o    Artemisia abrotanum var. coarctata

o    Artemisia abrotanum var. gracilis

o    Artemisia abrotanum var. insularis


Anbauordnung: Kulturpflanze, Zierpflanze
Kulturart: Kräuter
Klimazone:

-      Gemäßigte Zone (ursprünglich mediterran, aber gut an mitteleuropäische Bedingungen angepasst)

Erntezeitraum: Juni bis September (Blätter und junge Triebe)
Zehrer Art: Mittelzehrer


Wichtiger Hinweis zur Pflanze:

-      Enthält Thujon, das in großen Mengen giftig sein kann. Nicht in großen Mengen oder über längere Zeiträume verzehren!

-      Stark duftend, wirkt abschreckend auf Schädlinge wie Motten und Fliegen.

Bemerkung:

-      Wird oft mit Zitrus- oder Cola-Aroma assoziiert, daher der Name “Cola-Kraut”.

-      Wächst buschig und kann bei optimalen Bedingungen bis zu 1,5 m hoch werden.

Bester Fundort in der Natur:

-      Ursprünglich in Küstenregionen Südeuropas (z. B. Mittelmeerraum).

-      Heute in Gärten, Parks und Kräutersammlungen verbreitet.

Beipflanzung und ihre Auswirkung:

-      Verträgt sich gut mit anderen mediterranen Kräutern wie Lavendel, Rosmarin und Thymian.

-      Wirkt abschreckend auf Schädlinge wie Kohlweißling, Möhrenfliege und Ameisen.

-      Gute Nachbarn: Lavendel, Salbei, Minze, Kamille.

-      Schlechte Nachbarn: Starkzehrer wie Kohlarten oder Tomaten (kann deren Wachstum hemmen).


Blütenbeschreibung:

-      Kleine, gelbe bis gelblich-grüne, kugelige Blütenköpfchen in rispigen Blütenständen.

-      Blütezeit: Juli bis September.

Blattbeschreibung:

-      Fein gefiederte, silbrig-grüne Blätter mit einem intensiven, zitrusartigen Duft.

-      Blätter sind weich und leicht behaart.

Stamm-/Stielbeschreibung:

-      Aufrechte, verholzende Stängel, anfangs grün, später bräunlich.

-      Wird mit zunehmendem Alter holzig.

Samenbeschreibung:

-      Winzige, unscheinbare Samen, die selten zur Vermehrung genutzt werden.

-      Samenreife: September bis Oktober.

Art der Wurzler:

-      Tiefwurzelnd (Pfahlwurzel mit weitreichenden Seitenwurzeln)


Geruch der Pflanze:

-      Intensiv zitrusartig, leicht bitter mit einer kolahaltigen Note.

Geschmack der Pflanze: Bitter-aromatisch, zitronig-würzig, leicht herb.

Lebenszeitspanne:

-      Mehrjährig (ausdauernd, kann bei gutem Schutz den Winter überdauern).

Ökologische Schädlingsbekämpfung:

-      Wirkt abwehrend auf Motten, Fliegen, Ameisen und Kohlweißling.

-      Lockt nützliche Insekten wie Bienen und Schwebfliegen an.


Keimer Art: Lichtkeimer
Keimdauer: 10–21 Tage
Keimtemperatur: 18–22 °C
Keimvorbereitung:

-      Samen vor der Aussaat 24 Stunden in warmem Wasser einweichen.

Keimfähigkeit in Jahren: 2–3 Jahre (bei trockener, kühler Lagerung)


Aussaatzeitraum:

-      März bis Mai (Vorkultur) oder direkt ab Mitte Mai ins Freiland.

Aussaat Tiefe: 0,5–1 cm tief.
Abstand in der Reihe: 30–40 cm.
Abstand zur nächsten Pflanze: 50–60 cm.
Samen pro Pflanzloch:

-      2–3 Samen (später auf die stärkste Pflanze vereinzeln).


Bevorzugte Beet Art: Kräuterbeet, sonnige Staudenrabatte, Kübelkultur.
Idealer Boden: Durchlässig, sandig-lehmig, mäßig nährstoffreich.
pH-Wert des Bodens: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch).


Gießverhalten:

-      Mäßig gießen, Staunässe vermeiden. Trockenheitsresistent, aber regelmäßiges Gießen fördert das Wachstum.

Sonnenbedarf:

-      Volle Sonne bis halbschattig (mind. 6 Stunden Sonne täglich).

Düngereinsatz:

-      Gering, bei Bedarf Kompost oder organischen Kräuterdünger im Frühjahr.

Empfohlener Dünger:

-      Kompost, Brennnesseljauche, Kali-betonter Dünger.


Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein.
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein.
Ist ein Spalier notwendig: Nein.


Krautzuordnung: Würz- und Heilkräuter, Gartenpflanze, Zierpflanze.
Mit Heilwirkung: Ja (in Maßen!).

Wirkstoffe:

-      Ätherische Öle (u. a. Thujon, Cineol, Borneol)

-      Bitterstoffe (Abrotanin)

-      Flavonoide

-      Gerbstoffe

Anwendungsbereiche:

-      Verdauungsfördernd, appetitanregend

-      Krampflösend (z. B. bei Menstruationsbeschwerden)

-      Antiseptisch (äußerlich bei Wunden)

-      Beruhigend (in kleinen Dosen)

-      Gegen Parasiten (z. B. Würmer)

Verabreichung:

-      Tee (Blätter, in Maßen!)

-      Tinkturen (alkoholischer Auszug)

-      Umschläge (bei Hautirritationen)

-      Räucherungen (traditionell bei Reinigungsritualen)


Essbar: Ja (in kleinen Mengen!)
Welche essbaren Teile: Junge Blätter und Triebspitzen.
Giftig:

-      Ja (in größeren Mengen oder bei längerem Verzehr aufgrund des Thujon-Gehalts!).

Welche giftigen Teile:

-      Blätter und Stängel (Thujon kann zu Übelkeit, Erbrechen oder neurologischen Symptomen führen).

Verwechslungsgefahr mit:

-      Beifuß (Artemisia vulgaris): Blätter sind weniger fein gefiedert und riechen anders.

-      Estragon (Artemisia dracunculus): Blätter sind glatter und schmecken süßlich-würzig.

-      Wermut (Artemisia absinthium): Blätter sind silbrig-grau und bitterer.


Verwendung in der Küche:

-      Frisch oder getrocknet als Gewürz für:

    • Liköre (z. B. “Eberrauten-Likör”)
    • Fleischgerichte (Wild, Geflügel)
    • Suppen und Eintöpfe
    • Kräutertees (in Maßen!)
    • Kräuterbutter oder -salz
    • Desserts (z. B. mit Zitrusfrüchten)

Beste Haltbarmachung:

-      Trocknen (an einem dunklen, luftigen Ort)

-      Einfrieren (in Eiswürfelformen mit Wasser oder Öl)

-      Einlegen in Essig oder Öl

Lagerung der Pflanze:

-      Getrocknet: Luftdicht, dunkel und kühl lagern (Haltbarkeit: 1 Jahr).

-      Frisch: Im Kühlschrank in feuchtem Tuch (Haltbarkeit: 1–2 Wochen).


Das beste Rezept:
Eberrauten-Likör (hausgemacht)
Zutaten:

-      1 Handvoll frische Eberrautenblätter

-      500 ml Wodka oder Korn

-      200 g Zucker

-      1 Zitronenschale

Zubereitung:

-      Blätter waschen, trocken tupfen und in ein sauberes Glas geben.

-      Mit Alkohol übergießen und 2 Wochen an einem sonnigen Ort ziehen lassen.

-      Durch ein Sieb abseihen, Zucker und Zitronenschale zugeben.

-      Nochmals 1 Woche ziehen lassen, dann abfüllen.

Die beste Speise:
Wildschweinbraten mit Eberrauten-Kräuterkruste
Zutaten:

-      1 Wildschweinbraten

-      2 EL frische Eberrautenblätter, fein gehackt

-      1 Knoblauchzehe, gehackt

-      1 EL Senf

-      1 EL Honig

-      Salz, Pfeffer, Rosmarin

Zubereitung:

-      Braten mit Senf bestreichen, mit Salz, Pfeffer und Rosmarin einreiben.

-      Eine Paste aus Eberraute, Knoblauch und Honig herstellen und auf den Braten streichen.

-      Im Ofen bei 160 °C ca. 2–3 Stunden garen.

Das beste Getränk:
Eberrauten-Eistee
Zutaten:

  • 1 Liter schwarzer Tee
  • 5 frische Eberrautenblätter
  • 1 Zitrone, in Scheiben
  • 2 EL Honig
  • Eiswürfel

Zubereitung:

  1. Tee mit Eberrautenblättern 10 Minuten ziehen lassen.
  2. Abseihen, mit Zitronenscheiben und Honig süßen.
  3. Mit Eiswürfeln servieren.

Die beste Beilage:
Kartoffelpüree mit Eberrauten-Butter
Zutaten:

-      500 g Kartoffeln

-      50 g Butter

-      1 EL frische Eberrautenblätter, fein gehackt

-      Salz, Muskatnuss

Zubereitung:

-      Kartoffeln kochen und zu Püree stampfen.

-      Butter schmelzen, mit Eberrautenblättern vermischen und unter das Püree heben.

-      Mit Salz und Muskat abschmecken.


Unterarten in Europa:

-      Eberraute (Artemisia abrotanum var. abrotanum)

-      Meer-Eberraute (Artemisia abrotanum var. maritima)

-      Zwerg-Eberraute (Artemisia abrotanum var. humilis)

-      Schlanke Eberraute (Artemisia abrotanum var. proceriformis)

-      Dichtblütige Eberraute (Artemisia abrotanum var. coarctata)

-      Schmale Eberraute (Artemisia abrotanum var. gracilis)

-      Insel-Eberraute (Artemisia abrotanum var. insularis)


Drei häufig vorkommende Unterarten:

-      Artemisia abrotanum var. abrotanum

-      Artemisia abrotanum var. maritima

-      Artemisia abrotanum var. humilis


Drei seltenste vorkommende Unterarten:

-      Artemisia abrotanum var. insularis

-      Artemisia abrotanum var. gracilis

-      Artemisia abrotanum var. coarctata


Drei älteste Unterarten (kultiviert seit dem Mittelalter):

-      Artemisia abrotanum var. abrotanum (seit dem 16. Jahrhundert in Gärten verbreitet)

-      Artemisia abrotanum var. maritima (traditionell in Küstenregionen genutzt)

-      Artemisia abrotanum var. humilis (in Klostergärten des Mittelalters kultiviert)


Guter Nachbar:

-      Lavendel, Salbei, Thymian, Kamille, Minze, Rosmarin.

Schlechter Nachbar:

-      Starkzehrer wie Kohl, Tomaten oder Kürbis (kann deren Wachstum hemmen).

Beste Mischkulturen:

-      Kräuterbeet: Kombiniert mit Lavendel, Salbei und Thymian (gleiche Standortansprüche).

-      Gemüsebeet: Gute Wirkung gegen Schädlinge bei Karotten, Zwiebeln und Lauch.

-      Ziergarten: Kombiniert mit Sonnenhut, Fetthenne oder Katzenminze (optisch ansprechend).


Quellennachweis:

-      Pflanzenfamilien: Korbblütler (Asteraceae) – nach APG IV-Systematik.

-      Heilwirkung und Inhaltsstoffe – nach Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und Kräuterbüchern des Mittelalters.

-      Anbau- und Kulturhinweise – nach Kräuter- und Gartenbau-Literatur (z. B. Das große Buch der Kräuter von Deni Bown).

-      Unterarten und Verbreitung – nach Euro+Med Plantbase und Flora Europaea.