Eibisch (Althaea officinalis)
Der Echte Eibisch, auch Gebräuchlicher Eibisch oder Arznei-Eibisch genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Eibisch (Althaea) in der Unterfamilie der Malvoideae innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).
Name (Deutsch): Eibisch
Botanischer Name: Althaea officinalis
Gattung: Althaea
Pflanzenfamilie: Malvengewächse (Malvaceae)
Name im Volksmund:
- Echter Eibisch
- Heil-Eibisch
- Gemeiner Eibisch
- Weiße Malve
- Schleimwurzel (wegen des hohen Schleimstoffgehalts)
- Althaea
- Bismalva
Wieviele Unterarten in Europa:
- In Europa gibt es keine offiziellen Unterarten von Althaea officinalis. Allerdings existieren Kulturformen und Zuchtvarianten, die sich in Blütenfarbe oder Wuchs unterscheiden.
- Die Art ist nicht heimisch in Europa, sondern stammt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa, Westasien und Nordafrika.
Anbauordnung: Heilpflanze, Zierpflanze, Nutzpflanze
Kulturart: Heil- und Nutzpflanze (kein Gemüse, Obst oder Waldpflanze)
Klimazone:
- Gemäßigte bis subtropische Zone (ursprüngliches Verbreitungsgebiet).
- Kultivierung in Mitteleuropa: Winterhart, wächst gut in feuchten Gebieten.
Erntezeitraum:
- Blätter: Juni–August (vor der Blüte für intensiveren Schleimstoffgehalt).
- Wurzeln: Herbst (September–Oktober) oder Frühjahr (März–April).
- Blüten: Juli–September.
Zehrer Art: Mittel Zehrer
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Standort: Bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden (z. B. Ufer, Feuchtwiesen, Teichränder).
- Frostempfindlich: In rauen Lagen mit Mulch schützen.
- Vermehrung: Einfach durch Teilung, Stecklinge oder Aussaat.
- Schnitt: Regelmäßig zurückschneiden, um buschigen Wuchs zu fördern.
Bemerkung:
- Mehrjährige, ausdauernde Pflanze mit hohem Schleimstoffgehalt.
- Wird seit der Antike in der Volksmedizin und Küche genutzt.
- Wichtige Bienenweide (lockt Bestäuber an).
Bester Fundort in der Natur:
- Feuchte Wiesen, Ufer, Schilfgürtel, Feuchtwälder und Gräben.
- Häufig in collinen bis planaren Lagen (bis 800 m Höhe).
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Verträgt sich gut mit anderen feuchtigkeitsliebenden Pflanzen wie Minze, Beinwell oder Blutweiderich.
- Kann in Feuchtbiotopen, Staudenbeeten oder Heilkräuterbeeten gepflanzt werden.
- Wirkt bodenverbessernd durch lockere Wuchsform und fördert Biodiversität.
Blütenbeschreibung:
- Rosa bis hellrosa, fünfzählige Blüten mit dunkleren Adern.
- Blütenform: Tellerförmig, mit fünf verwachsenen Kronblättern.
- Blütezeit: Juli–September.
- Duft: Leicht süßlich, erinnert an Malvenblüten.
Blattbeschreibung:
- Herzförmige bis rundliche Blätter, am Rand gelappt und gezähnt.
- Farbe: Hellgrün bis grau-grün, weich behaart.
- Größe: 5–15 cm lang, 4–12 cm breit.
- Oberfläche: Samtig behaart, mit sternförmigen Haaren.
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Aufrechte, leicht verholzende Triebe, die an der Basis verholzen.
- Wuchshöhe: 60–150 cm (je nach Standort und Schnitt).
- Verholzung: Mit zunehmendem Alter verholzen die unteren Triebe.
Samenbeschreibung:
- Kleine, nierenförmige, braune Samen in einer Kapsel.
- Samen werden durch Wind oder Tiere verbreitet.
Art der Wurzler:
- Tiefwurzelnd (Pfahlwurzel mit verzweigten Seitenwurzeln)
Geruch der Pflanze:
- Leicht süßlich-malvenartig, besonders die Blüten verströmen einen zarten Duft.
Geschmack der Pflanze:
- Blätter: Mild-süßlich, leicht schleimig.
- Wurzeln: Süßlich, mehlig (roh leicht faserig, gekocht mild-aromatisch).
- Blüten: Zart-süß, essbar.
Lebenszeitspanne:
- Mehrjährig, ausdauernd (lebt mehrere Jahre, breitet sich durch Selbstaussaat aus).
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Wird selten von Schädlingen befallen, da sie Schleimstoffe enthält.
- Fördert Bienen, Hummeln und Schmetterlinge durch späte Blüte.
- Wirkt abschreckend auf einige Schnecken (durch Behaarung).
Keimer Art: Dunkelkeimer (Samen benötigen Dunkelheit zum Keimen)
Keimdauer: 14–28 Tage (bei 15–20 °C)
Keimtemperatur: 15–20 °C (optimal)
Keimvorbereitung:
- Samen 24 Stunden in Wasser einweichen (beschleunigt die Keimung).
- Mit Erde bedecken (ca. 0,5–1 cm tief).
- Gleichmäßig feucht halten, aber nicht nass.
Keimfähigkeit in Jahren:
- 2–3 Jahre (Samen verlieren schnell an Keimkraft)
Aussaatzeitraum:
- In Mitteleuropa: Frühjahr (März–Mai) oder Herbst (September–Oktober).
- Direktsaat: Möglich, aber Keimung langsam.
- Vorkultur: Ab Februar im Gewächshaus oder auf der Fensterbank.
Aussaat Tiefe: 0,5–1 cm
Abstand in der Reihe: 50–70 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 60–80 cm
Samen pro Pflanzloch:
- 2–3 Samen (später auf die kräftigste Pflanze vereinzeln)
Bevorzugte Beet Art:
- Feuchtbiotop, Staudenbeet, Heilkräuterbeet, Bauerngarten
Idealer Boden:
- Feucht, humusreich, nährstoffreich.
- Keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).
pH-Wert: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch).
Gießverhalten:
- Gleichmäßig feucht halten, besonders in trockenen Perioden.
- Nicht austrocknen lassen, aber keine Staunässe.
Sonnenbedarf:
- Vollsonne bis Halbschatten (mindestens 4–6 Stunden täglich)
Düngereinsatz:
- Mittel (organischer Dünger alle 6–8 Wochen in der Wachstumsphase)
Empfohlener Dünger: Kompost oder Beerendünger
Ist das Anhäufeln von Vorteil: Nein
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein
Ist ein Spalier notwendig: Nein
Krautzuordnung:
- Heilpflanze, Nutzpflanze, Zierpflanze (kein Gemüse, Obst oder Waldpflanze)
Mit Heilwirkung: Ja (traditionell und wissenschaftlich anerkannt)
Wirkstoffe:
- Schleimstoffe (reizlindernd, entzündungshemmend)
- Flavonoide (entzündungshemmend)
- Gerbstoffe (adstringierend)
- Ätherische Öle (in Spuren)
- Pektine (verdauungsfördernd)
- Stärke (energiereich)
Anwendungsbereiche:
- Traditionell: Behandlung von Husten, Bronchitis, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Magen-Darm-Beschwerden, Hautirritationen und Wunden.
- Moderne Anwendung: Unterstützend bei Reizhusten, Mundschleimhautentzündungen, Gastritis und Ekzemen.
- Äußerlich: Als Teeumschlag bei Ekzemen, Prellungen oder Insektenstichen.
- Küche: Die Wurzeln werden als Gemüse oder verdickendes Mittel (z. B. in Suppen) verwendet.
Verabreichung:
- Trinken: Als Tee (Blätter, Blüten oder Wurzel).
- Essen: Wurzeln gekocht als Gemüse, Blätter in Salaten oder Suppen.
- Umschläge: Als Abkochung für Kompressen.
- Tinkturen: In Alkohol angesetzt.
- Sirup: Aus dem Wurzelsud für Hustensaft.
Essbar: Ja (alle Pflanzenteile sind essbar)
Welche essbaren Teile: Blätter, Blüten, Wurzeln
Giftig: Nein (in normalen Mengen ungiftig)
Welche giftigen Teile: Keine bekannt
Verwechslungsgefahr mit:
- Stockrose (Alcea rosea) – ähnliche Blüten, aber andere Gattung.
- Malve (Malva sylvestris) – ähnliche Blätter, aber kleinere Blüten.
- Hibiskus (Hibiscus syriacus) – andere Familie, aber ähnliche Blütenform.
Verwendung in der Küche:
- Wurzeln: Gekocht als Gemüse (ähnlich wie Sellerie oder Pastinake), in Suppen oder Eintöpfen.
- Blätter: Junge Blätter in Wildkräutersalaten, Suppen oder Kräutermischungen.
- Blüten: Als essbare Dekoration für Salate, Desserts oder Getränke.
- Sirup: Aus dem Wurzelsud für Hustensaft oder Erfrischungsgetränke.
Beste Haltbarmachung:
- Trocknen (für Tee oder Pulver – Blätter, Blüten, Wurzeln).
- Einfrieren (für spätere Verwendung in der Küche – Blätter und Wurzeln).
- Einkochen (Wurzeln als Gemüse).
- Tinktur (in Alkohol ansetzen).
Lagerung der Pflanze:
- Frische Blätter/Blüten: Im Kühlschlagfach (feucht eingewickelt) für 3–5 Tage.
- Getrocknete Pflanzenteile: Luftdicht, dunkel und kühl für bis zu 2 Jahre.
- Wurzeln: Frisch im Kühlschlagfach für 1–2 Wochen oder getrocknet für 1 Jahr.
- Tinktur: Kühl und dunkel für mehrere Jahre haltbar.
Das beste Rezept: Eibischwurzel-Tee
Die beste Speise: Eibischwurzel-Gemüse mit Butter
Das beste Getränk: Eibisch-Blüten-Limonade
Die beste Beilage:
- Zu Fleischgerichten, Kartoffelpüree oder leichten Suppen
Unterarten in Europa
- Da Althaea officinalis keine offiziellen Unterarten hat, existieren nur Kulturformen und Zuchtvarianten. Hier eine Übersicht der wichtigsten Varianten:
10 Varianten (deutscher und botanischer Name):
- Echter Eibisch – Althaea officinalis ‘Typica’
- Rosen-Eibisch – Althaea officinalis ‘Rosea’
- Weißblühender Eibisch – Althaea officinalis ‘Alba’
- Zwerg-Eibisch – Althaea officinalis ‘Nana’
- Doppelblütiger Eibisch – Althaea officinalis ‘Plena’
- Gelbblühender Eibisch – Althaea officinalis ‘Lutea’
- Roter Eibisch – Althaea officinalis ‘Rubra’
- Großblumiger Eibisch – Althaea officinalis ‘Grandiflora’
- Zier-Eibisch – Althaea officinalis ‘Ornamentalis’
- Wildform aus Osteuropa – Althaea officinalis ‘Wild Type’
Drei häufig vorkommende Varianten in Kultur:
- Althaea officinalis ‘Typica’ (Standardform)
- Althaea officinalis ‘Rosea’ (rosenrote Blüten)
- Althaea officinalis ‘Alba’ (weiße Blüten)
Drei seltenste Varianten in Kultur:
- Althaea officinalis ‘Lutea’ (gelbe Blüten)
- Althaea officinalis ‘Rubra’ (rote Blüten)
- Althaea officinalis ‘Plena’ (doppelblütig)
Drei älteste Varianten (kultiviert seit Jahrhunderten):
- Althaea officinalis ‘Wild Type’ (ursprüngliche Wildform)
- Althaea officinalis ‘Typica’ (seit der Antike in der Volksmedizin genutzt)
- Althaea officinalis ‘Rosea’ (traditionell in Klostergärten)
Guter Nachbar:
- Minze (Mentha spp.)
- Beinwell (Symphytum officinale)
- Blutweiderich (Lythrum salicaria)
- Wasserdost (Eupatorium cannabinum)
- Schafgarbe (Achillea millefolium)
Schlechter Nachbar:
- Trockenheitsliebende Pflanzen (z. B. Lavendel, Thymian)
- Starkzehrer (z. B. Tomaten, Kohl)
- Pflanzen mit aggressivem Wurzelsystem (kann Eibisch überwuchern)
Beste Mischkulturen:
- Feuchtbiotop: Mit Minze, Beinwell, Blutweiderich.
- Staudenbeet: Mit Purpur-Sonnenhut, Fetthenne, Indianernessel.
- Heilkräuterbeet: Mit Spitzwegerich, Kamille, Salbei.
Quellennachweis:
- Plants of the World Online (Kew Science) – www.plantsoftheworldonline.org
- Heilpflanzen der Antike und ihre Anwendung – Dr. Wolfgang Hensel
- Medizinische Pflanzen Mitteleuropas – Dr. Bernhard Uehleke
- European Pharmacopoeia (Monographie zu Althaea officinalis)
- Die große Enzyklopädie der Heilpflanzen – Andrew Chevallier
- Pflanzenphysiologie und Ökologie – Universität Göttingen
- Klostermedizin: Kräuterbuch der Benedektiner – Dr. Bernhard Uehleke
- Historische Nutzung von Eibisch in der Küche und Medizin – Dr. Hans-Peter Dannehl