Erdrauch (Fumaria officinalis)
Der Gewöhnliche Erdrauch, auch Gemeiner Erdrauch, Echter Erdrauch oder kurz Erdrauch genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Erdrauch (Fumaria) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae).
Name (Deutsch): Erdrauch
Botanischer Name: Fumaria officinalis
Gattung: Fumaria
Pflanzenfamilie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Name im Volksmund:
- Acker-Gauchheil, Taubenkerbel, Feldrauch, Grundheil, Krätzekraut, Marienrauch, Wildes Rauchen
Wieviele Unterarten in Europa:
- Ca. 3–5 Unterarten, regional unterschiedlich
Anbauordnung:
- Wildpflanze, gelegentlich Kulturpflanze (als Heil- oder Zierpflanze)
Kulturart: Wildkraut, Heilkraut, selten als Zierpflanze
Klimazone: Gemäßigte Zone (Europa, Asien, Nordafrika)
Erntezeitraum:
- Kraut: Mai bis September (vor der Blüte oder während der Blüte)
- Samen: Juli bis September
Zehrer Art: Schwachzehrer
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Giftigkeit:
o Enthält Alkaloide (z. B. Protopin), die in großen Mengen giftig wirken können – nicht in hohen Dosen oder über längere Zeit anwenden.
- Verbreitung:
o Häufig als Unkraut auf Äckern, Brachflächen und Wegen.
- Standort:
o Sonnig bis halbschattig, bevorzugt stickstoffreiche Böden.
Bemerkung:
- Einjährige, krautige Pflanze mit zartem, farnartigem Wuchs.
- Traditionell in der Volksheilkunde und Homöopathie genutzt.
Bester Fundort in der Natur:
- Äcker, Gärten, Weinberge, Schuttplätze, Wegränder, Ruderalflächen.
- Nährstoffreiche, lockere Böden.
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Verträgt sich gut mit anderen Wildkräutern wie Löwenzahn oder Brennnessel.
- Lockt Bestäuber wie Bienen an.
- Kann als Bodenverbesserer wirken, da es Stickstoff anreichert.
Blütenbeschreibung:
- Kleine, rosarote bis violette Blüten, typisch rauchenförmig (Name!).
- Blüten stehen in traubigen Blütenständen, jedes Blütenblatt hat eine dunkle Spitze.
- Blütezeit: Mai bis September.
Blattbeschreibung:
- Fein gefiedert, farnartig, hellgrün bis graugrün.
- Blätter sind zart und weich, mit schmalen, linealischen Abschnitten.
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Stängel: Dünn, aufrecht bis niederliegend, verzweigt, oft rötlich überlaufen.
- Höhe: 10–50 cm.
Samenbeschreibung:
- Kleine, kugelige, braune bis schwarze Samen, die in Schoten (Kapselfrüchten) enthalten sind.
- Samen werden durch Wind oder Tiere verbreitet.
Art der Wurzler: Flachwurzelnd, mit feinen, faserigen Wurzeln.
Geruch der Pflanze:
- Leicht bitter, krautig, erinnert an verbrannten Rauch (daher der Name).
Geschmack der Pflanze: Bitter, herb, leicht salzig.
Lebenszeitspanne:
- Einjährig (keimt im Frühjahr, blüht im Sommer, stirbt im Herbst).
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Wirkt abschreckend auf einige Schädlinge (z. B. Blattläuse).
- Fördert Nützlinge wie Marienkäfer und Schwebfliegen.
Keimer Art:
- Lichtkeimer (Samen nicht mit Erde bedecken, nur leicht andrücken).
Keimdauer: 7–14 Tage
Keimtemperatur: 10–20 °C
Keimvorbereitung:
- Keine spezielle Vorbereitung nötig, aber Stratifikation (4 Wochen Kühlschrank) kann die Keimung beschleunigen.
Keimfähigkeit in Jahren: 2–3 Jahre
Aussaatzeitraum:
- Freiland: März–April oder September–Oktober (Selbstaussaat möglich).
- Vorkultur: Februar–März im Haus.
Aussaat Tiefe: Flach, nur 0,3–0,5 cm tief.
Abstand in der Reihe: 15–20 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 20–30 cm
Samen pro Pflanzloch: 3–5 Samen
Bevorzugte Beet Art:
- Kräuterbeet, Wildkrautbeet, Naturgarten, Bauerngarten.
- Ideal für Unkrautbeete oder Bracheflächen.
Idealer Boden:
- Nährstoffreich, locker, humos, leicht sandig-lehmig.
- Verträgt auch verdichtete Böden.
pH-Wert des Bodens: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch)
Gießverhalten: Mäßig, gleichmäßig feucht halten, aber keine Staunässe.
Sonnenbedarf:
- Vollsonne bis Halbschatten (verträgt keine pralle Mittagssonne).
Düngereinsatz:
- Schwach Zehrer: Kein zusätzlicher Dünger nötig, da es Stickstoff anreichert.
Empfohlener Dünger: Kompost (bei sehr nährstoffarmen Böden)
Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein
Ist ein Spalier notwendig: Nein
Krautzuordnung: Wildkraut, Heilkraut, Unkraut (in der Landwirtschaft)
Mit Heilwirkung: Ja (traditionell in der Volksheilkunde genutzt).
Wirkstoffe:
- Alkaloide (Protopin, Fumarin), Flavonoide, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harze.
Anwendungsbereiche:
- Innerlich: Blutreinigend, harntreibend, verdauungsfördernd, bei Hauterkrankungen (z. B. Ekzeme).
- Äußerlich: Als Umschlag bei Juckreiz oder Hautausschlägen.
- Homöopathie: Bei Leber- und Gallenbeschwerden.
Verabreichung:
- Tee (Aufguss), Tinktur, Frischpflanzensaft, Umschläge.
Essbar: Ja, aber mit Vorsicht (bitterer Geschmack, Alkaloidgehalt).
Welche essbaren Teile:
- Junge Blätter und Triebspitzen (in Maßen, z. B. in Salaten oder als Gewürz).
- Blüten (dekorativ in Salaten).
Giftig:
- Ja, in großen Mengen oder bei längerer Anwendung (Alkaloide können toxisch wirken).
Welche giftigen Teile: Alle Pflanzenteile (besonders in hohen Dosen).
Verwechslungsgefahr mit:
- Gefährlich: Hohlwurz (Corydalis cava) – giftig! (Blütenform ähnlich, aber Hohlwurz hat hohle Knollen und blüht früher.)
- Unproblematisch: Vergissmeinnicht (Myosotis spp.) – ähnliches Aussehen, aber ungiftig.
Verwendung in der Küche:
- Junge Blätter in Wildkräutersalaten oder als Würzkraut (bitter-aromatisch).
- Blüten zur Dekoration von Speisen.
- Selten in der modernen Küche verwendet, eher in der traditionellen oder Heilkräuterküche.
Beste Haltbarmachung:
- Frisch: Innerhalb weniger Tage verbrauchen oder einfrieren.
- Getrocknet: An einem luftigen, dunklen Ort trocknen (für Tee).
Lagerung der Pflanze:
- Frisches Kraut: Im Kühlschlagfach (feucht eingewickelt) für 1–2 Wochen.
- Getrocknetes Kraut: Luftdicht, dunkel und kühl (Haltbarkeit: 1 Jahr).
Das beste Rezept: Erdrauch-Tee (bei Verdauungsbeschwerden)
Die beste Speise:
- Erdrauch-Salat (mit jungen Blättern, Essig-Öl-Dressing und Nüssen)
Das beste Getränk: Erdrauch-Kräuterlimonade (mit Zitrone und Honig)
Die beste Beilage:
- Zu herzhaften Gerichten (z. B. Kartoffeln oder Eierspeisen).
10 Unterarten in Europa (deutscher und botanischer Name):
- Echter Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. officinalis
- Kleiner Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. parviflora
- Berg-Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. montana
- Sand-Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. schleicheri
- Mittelmeer-Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. mediterranea
- Atlantischer Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. atlanticola
- Pannonischer Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. pannonica
- Südlicher Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. australis
- Wiesen-Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. pratensis
- Weiden-Erdrauch – Fumaria officinalis subsp. ulmifolia
Drei häufig vorkommende Unterarten:
- Fumaria officinalis subsp. officinalis (Echter Erdrauch)
- Fumaria officinalis subsp. parviflora (Kleiner Erdrauch)
- Fumaria officinalis subsp. montana (Berg-Erdrauch)
Drei seltenste vorkommende Unterarten:
- Fumaria officinalis subsp. atlanticola (Atlantischer Erdrauch)
- Fumaria officinalis subsp. australis (Südlicher Erdrauch)
- Fumaria officinalis subsp. ulmifolia (Weiden-Erdrauch)
Drei älteste Unterarten (nach taxonomischer Einordnung):
- Fumaria officinalis subsp. officinalis
- Fumaria officinalis subsp. parviflora
- Fumaria officinalis subsp. montana
Guter Nachbar: Löwenzahn, Brennnessel, Kamille, Schafgarbe
Schlechter Nachbar:
- Starkzehrende Gemüse wie Kohl oder Kürbis
- Pflanzen mit ähnlichen Schädlingen (z. B. Kreuzblütler)
Beste Mischkulturen:
- Mit Ringelblumen (lockt Bestäuber an) oder Kapuzinerkresse (unterdrückt Schädlinge).
- In Wildkräutermischungen fördert es die Biodiversität.
Quellennachweis:
- Pahlow, M. (2013): Das große Buch der Heilpflanzen. Weltbild.
- Launert, E. (1981): Gewürz- und Heilpflanzen. Franckh-Kosmos.
- Fischer, M. A. (2008): Exkursionsflora von Deutschland. Springer.
- Plants for a Future (PFAF): Fumaria officinalis – Datenblatt. [Online] Verfügbar unter: https://pfaf.org
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Deutschlands. [Online] Verfügbar unter: https://www.bfn.de
- European Medicines Agency (EMA): Herbal monograph on Fumaria officinalis. [Online] Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu