Goldrutte (Solidago virgaurea)

Die Goldrutte ist eine vielseitige, mehrjährige Wild- und Heilpflanze, die in Europa weit verbreitet ist. Sie besticht durch ihre leuchtend gelben Blütenähren und ihre heilende Wirkung, insbesondere für die Nieren und Harnwege.


Name (Deutsch): Goldrutte

Botanischer Name: Solidago virgaurea

Gattung: Solidago

Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)

Name im Volksmund:

  • Echte Goldrutte, Gewöhnliche Goldrutte, Goldwundkraut, Heidnisch Wundkraut, Kaisertee, Solidago

Wieviele Unterarten in Europa:

Ca. 10–12 Unterarten und Varietäten, z. B.:

  • Solidago virgaurea subsp. virgaurea
  • Solidago virgaurea subsp. minuta
  • Solidago virgaurea subsp. alpestris
  • Solidago virgaurea subsp. macrorrhiza

Anbauordnung: Wildpflanze, Zierpflanze, Heilpflanze, Kulturpflanze

Kulturart: Wildblume, Heilpflanze, Zierpflanze, Wiesenpflanze

Klimazone: Gemäßigte Zone (Europa, Nordafrika, Westasien)

Erntezeitraum:

-      Blüten und Blätter: Juli–September (Hauptblütezeit: August–September)

-      Wurzeln: Herbst (September–Oktober)

Zehrer Art: Mittel Zehrer


Wichtiger Hinweis zur Pflanze:

-      Bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte – verträgt aber auch trockene Böden.

-      Keine Staunässe, aber gleichmäßige Feuchtigkeit fördert das Wachstum.

-      Schnittverträglich – fördert die Bildung neuer Triebe.

Bemerkung:

-      Mehrjährig und winterhart.

-      Wichtige Bienenweide – die Blüten sind reich an Nektar.

-      Historisch als Heilpflanze gegen Nieren- und Blasenleiden genutzt.

Bester Fundort in der Natur:

-      Lichte Wälder, Waldränder, Magerwiesen, sonnige Hänge, Gebüschsäume.

-      Häufig auf kalkhaltigen, nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreiche Böden.

Beipflanzung und ihre Auswirkung:

-      Verträgt sich gut mit anderen Wildblumen wie Schafgarbe, Natternkopf oder Thymian.

-      Fördert Biodiversität und lockt Bestäuber an.

-      Kann als Bodendecker in naturnahen Gärten genutzt werden.


Blütenbeschreibung:

-      Farbe: Leuchtend gelb (selten weiß).

-      Form: Kleine, körbchenförmige Blüten in rispigen Blütenständen (5–20 cm lang).

-      Blütezeit: Juli–September.

-      Besonderheit: Blüten duften leicht honigartig.

Blattbeschreibung:

-      Form: Oval bis lanzettlich, gezähnt (Blattrand gesägt).

-      Anordnung: Wechselständig am Stängel.

-      Größe: 3–10 cm lang.

-      Besonderheit: Oberseite dunkelgrün, Unterseite heller.

Stamm-/Stielbeschreibung:

-      Stängel: Aufrecht, kantig, behaart, oft rot überlaufen.

-      Höhe: 30–100 cm (je nach Standort).

-      Besonderheit: Bildet Ausläufer (unterirdische Kriechsprosse).

Samenbeschreibung:

-      Kleine, braune Achänen mit Pappus (für Windausbreitung).

-      Verbreitung: Durch Wind.

-      Keimfähigkeit: 2–3 Jahre.

Art der Wurzler: Tiefwurzelnd (Pfahlwurzel mit Ausläufern)


Geruch der Pflanze:

-      Blüten/Blätter: Leicht harzig, honigartig.

Geschmack der Pflanze:

-      Blätter/Blüten: Bitter, leicht herb (ähnlich wie Kamille).

-      Wurzeln: Bitter, adstringierend.

Lebenszeitspanne: Mehrjährig (5–10 Jahre)

Ökologische Schädlingsbekämpfung:

-      Fördert Bienen, Hummeln und Schwebfliegen (Nektarquelle).

-      Wenig anfällig für Schädlinge – die Behaarung schützt vor Fraß.

-      Kann als natürlicher Erosionsschutz auf trockenen Böden dienen.


Keimer Art: Lichtkeimer

Keimdauer: 10–21 Tage

Keimtemperatur: 15–20 °C

Keimvorbereitung:

-      Stratifikation (4 Wochen Kälte) beschleunigt die Keimung.

Keimfähigkeit in Jahren: 2–3 Jahre


Aussaatzeitraum:

-      März–Mai (direkt ins Freiland) oder September–Oktober (Herbstaussaat)

Aussaat Tiefe: Oberflächlich (Lichtkeimer, nicht mit Erde bedecken)

Abstand in der Reihe: 30–50 cm

Abstand zur nächsten Pflanze: 40–60 cm

Samen pro Pflanzloch: 3–5 Samen


Bevorzugte Beet Art:

-      Wildblumenbeet, Heilpflanzenbeet, Staudenbeet, Bauerngarten

Idealer Boden:

-      Durchlässig, humusreich, nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich, kalkhaltig

pH-Wert des Bodens: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch)


Gießverhalten:

-      Mäßig, trockenheitsverträglich (erst bei langer Trockenheit gießen)

Sonnenbedarf: Vollsonne bis Halbschatten

Düngereinsatz: Gering, nur bei sehr mageren Böden im Frühjahr

Empfohlener Dünger: Kompost, Sand (zur Auflockerung)


Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein

Ist eine Rankhilfe nötig: Nein

Ist ein Spalier notwendig: Nein


Krautzuordnung: Wildblume, Heilpflanze, Zierpflanze

Mit Heilwirkung: Ja

Wirkstoffe:

-      Flavonoide (antioxidativ, entzündungshemmend)

-      Saponine (harntreibend, schleimlösend)

-      Ätherische Öle (in Spuren)

-      Gerbstoffe (adstringierend)

-      Phenolcarbonsäuren (entzündungshemmend)

Anwendungsbereiche:

-      Harntreibend (bei Blasenentzündung, Nierengrieß).

-      Entzündungshemmend (bei Harnwegsinfekten).

-      Schleimlösend (bei Husten und Erkältungen).

-      Wundheilend (als Umschlag bei kleinen Wunden).

-      Entgiftend (bei rheumatischen Beschwerden).

Verabreichung:

-      Tee (aus Blättern oder Blüten), Tinkturen, Umschläge, Badezusätze.


Essbar: Ja (in Maßen)

Welche essbaren Teile:

-      Junge Blätter (roh oder gekocht), Blüten (für Tee oder Dekoration)

Giftig: Nein

Welche giftigen Teile: Keine

Verwechslungsgefahr mit:

-      Spätblühende Goldrutte (Solidago gigantea) – ähnliche Blüten, aber höherer Wuchs.

-      Kanadische Goldrutte (Solidago canadensis) – invasiv, ähnliche Blüten.


Verwendung in der Küche:

-      Junge Blätter: Fein gehackt in Salaten oder als Tee.

-      Blüten: Als essbare Dekoration in Salaten oder für Tee.

-      Blätter für Kräutersalz: Getrocknete Blätter mit Salz mahlen.

Beste Haltbarmachung:

-      Blätter/Blüten trocknen (bei 40 °C im Dörrautomaten).

-      Nicht einfrieren (verliert Aroma).

Lagerung der Pflanze:

-      Getrocknete Blätter/Blüten: Dunkel, luftdicht und trocken (hält 1–2 Jahre).

-      Frische Blätter/Blüten: Kühl und trocken (1–2 Tage im Kühlschlag).


Das beste Rezept: Goldrutte-Tee (bei Blasenentzündung und Harndrang)

Die beste Speise: Goldrutte-Blätter-Salat (jung geerntet)

Das beste Getränk: Goldrutte-Blüten-Tee mit Honig

Die beste Beilage: Zu Wildgerichten oder als natürliche Dekoration.


10 Unterarten in Europa (deutscher und botanischer Name):

-      Echte Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. virgaurea

-      Alpen-Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. alpestris

-      Zwerg-Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. minuta

-      Wurzelnde Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. macrorrhiza

-      Spätblühende Goldrutte – Solidago gigantea

-      Kanadische Goldrutte – Solidago canadensis

-      Berg-Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. virgaurea var. montana

-      Nördliche Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. lapponica

-      Pyrenäen-Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. pyrenaica

-      Südliche Goldrutte – Solidago virgaurea subsp. longifolia


Drei häufig vorkommende Unterarten:

-      Solidago virgaurea subsp. virgaurea (Echte Goldrutte)

-      Solidago gigantea (Spätblühende Goldrutte)

-      Solidago canadensis (Kanadische Goldrutte)


Drei seltenste Unterarten:

-      Solidago virgaurea subsp. pyrenaica (Pyrenäen-Goldrutte)

-      Solidago virgaurea subsp. minuta (Zwerg-Goldrutte)

-      Solidago virgaurea subsp. lapponica (Nördliche Goldrutte)


Drei ältesten Unterarten:

-      Solidago virgaurea subsp. virgaurea (älteste und verbreitetste Art)

-      Solidago gigantea (seit dem 18. Jahrhundert in Europa)

-      Solidago canadensis (eingewandert aus Nordamerika, heute weit verbreitet)


Guter Nachbar:

-      Schafgarbe, Natternkopf, Lavendel, Thymian, Salbei, Wilde Malve.

Schlechter Nachbar:

-      Starkzehrer wie Kohl oder Tomaten (konkurrieren um Nährstoffe).

-      Pflanzen mit hohem Wasserbedarf (führen zu Staunässe).

Beste Mischkulturen:

-      In Wildblumenwiesen mit anderen bienenfreundlichen Pflanzen.

-      In Heilpflanzenbeeten mit anderen harntreibenden Kräutern wie Brennnessel oder Liebstöckel.

-      In Staudenbeeten als Hintergrundpflanze für höhere Stauden.


Quellennachweis:

-      Pahlow, M. (2021). Das große Buch der Heilpflanzen. Gräfe und Unzer.

-      Mabey, R. (2012). Essbare Wildpflanzen. Kosmos Verlag.

-      Lauber, K., & Wagner, G. (2018). Flora Helvetica. Haupt Verlag.

-      European Medicines Agency (EMA). (2011). Community herbal monograph on Solidago virgaurea.

-      Plants for a Future (PFAF). (2020). Solidago virgaurea – Database.

-      BfN (Bundesamt für Naturschutz). (2019). Rote Liste der Goldruten in Deutschland.