Keine andere Heilpflanze enthält so viele Gerbstoffe wie die Blutwurz. Von der Pflanzung bis zur Ernte und Verwertung: So gelingt der Anbau im eigenen Garten. Die Blutwurz (Potentilla erecta), auch unter den Bezeichnungen Tormentill, Dilledapp, Aufrechtes Fingerkraut, Natterwurz oder Ruhrwurz bekannt, ist ein bei uns heimisches Wildkraut aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

 

Wild wachsend kommt sie auf feuchten Wiesen, an sonnigen Böschungen, auf Magerrasen, Heideflächen oder an Waldrändern in ganz Europa vor. Der Name Blutwurz rührt daher, dass aus den Wurzeln, wenn man sie anschneidet, ein roter Saft austritt, der zum Färben verwendet werden kann. Seit jeher wird die gerbstoffhaltige Pflanze aber bei Durchfall und kolikartigen Bauchschmerzen angewendet – worauf wiederum der Beiname Tormentill, lateinisch für "Folter" oder "Qual", verweist.

 

Die botanische Bezeichnung "Potentilla" zeugt davon, dass die Blutwurz schon immer als "mächtige" Heilpflanze mit blutstillender Wirkung galt. Im Mittelalter wurden Amulette mit der Wurzel der Blutwurz auch zum Schutz vor bösen Geistern getragen. Heute wird – zum Beispiel im Bayerischen Wald – verdauungsfördernder Schnaps und Likör aus der Blutwurz gebrannt.

 

Der Blutwurz ist eine kraftvolle Heilpflanze, die seit Jahrhunderten bei inneren und äußeren Blutungen sowie Verdauungsproblemen eingesetzt wird. Ihre ökologische Rolle als Moorpflanze macht sie auch für naturnahe Gärten wertvoll. Der Blutwurz (Potentilla erecta) ist eine robuste Wildpflanze mit langer Tradition in der Volksmedizin und ökologischer Bedeutung. Hier die ausführliche Übersicht: 🌿🩸


Name (Deutsch): Blutwurz 

Botanischer Name: Potentilla erecta 

Gattung: Potentilla 

Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae) 

Name im Volksmund: Blutwurz, Torfblutwurz, Echte Blutwurz 

Wieviele Unterarten gibt es in Europa: Ca. 3 Unterarten/Varietäten, genaue Zahl variiert je nach Quelle


Anbauordnung: Wildpflanze, gelegentlich in Kräutergärten kultiviert 

Kulturart: Wildkraut / Wiesenpflanze 

Klimazone: Gemäßigte Zone 

Erntezeitraum: Wurzel im Herbst (September bis Oktober) 

Zehrer Art: Schwach Zehrer


Wichtiger Hinweis zur Pflanze: Wurzel enthält starke Gerbstoffe, nicht roh verzehren; bei innerlicher Anwendung Dosierung beachten 

Bemerkung: Kleine, mehrjährige krautige Pflanze mit kräftiger roter Wurzel; wird traditionell zur Blutstillung und bei Magen-Darm-Beschwerden genutzt 

Bester Fundort in der Natur: Moorwiesen, feuchte Wiesen, lichte Wälder, Heidegebiete 

Beipflanzung und ihre Auswirkung: Verträgt sich gut mit anderen Moor- und Feuchtpflanzen; fördert Biodiversität


Blütenbeschreibung: Kleine, gelbe Blüten mit vier Blütenblättern, einzeln oder in kleinen Dolden, Mai bis August 

Blattbeschreibung: Gefingert, meist dreiteilig, dunkelgrün, grob gezähnt 

Stamm-/Stielbeschreibung: Aufrechter, unverzweigter Stängel, behaart 

Samenbeschreibung: Kleine, braune, längliche Samen in Achänenfrüchten 

Art der Wurzler: Tiefwurzelnd, kräftige Pfahlwurzel mit roter Rinde


Geruch der Pflanze: Schwach, erdig 

Geschmack der Pflanze: Bitter, adstringierend (Wurzel) 

Lebenszeitspanne: Mehrjährig 

Ökologische Schädlingsbekämpfung: Keine direkte Wirkung, aber fördert Artenvielfalt in naturnahen Biotopen


Keimer Art: Lichtkeimer 

Keimdauer: 14–30 Tage 

Keimtemperatur: 15–20 °C 

Keimvorbereitung: Keine spezielle Vorbereitung nötig 

Keimfähigkeit in Jahren: Ca. 2 Jahre


Aussaatzeitraum: Frühling (März bis April) 

Aussaat Tiefe: Flach, ca. 0,5 cm 

Abstand in der Reihe: 15 cm 

Abstand zur nächsten Pflanze: 20 cm 

Samen pro Pflanzloch: 1–2


Bevorzugte Beet Art: Kräutergarten, naturnaher Garten, Moorbeet 

Idealer Boden: Feucht, humos, sauer bis neutral 

pH-Wert des Bodens: 4,5–6,5 


Gießverhalten: Gleichmäßig feucht, keine Staunässe 

Sonnenbedarf: Halbschattig bis sonnig 

Düngereinsatz: Kaum nötig 

Empfohlener Dünger: Kompost, organisch, sparsam


Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein 

Ist eine Rankhilfe nötig: Nein 

Ist ein Spalier notwendig: Nein


Krautzuordnung: Wildkraut, Heilpflanze, Wiesenpflanze 

Mit Heilwirkung: Ja 

Wirkstoffe: Gerbstoffe (Tannine), Flavonoide, ätherische Öle 

Anwendungsbereiche: Blutstillung, Magen-Darm-Beschwerden, äußerlich bei Wunden 

Verabreichung: Tinkturen, Umschläge, Tee, äußerlich als Salbe


Essbar: Nein (Wurzel medizinisch genutzt, nicht als Lebensmittel) 

Welche essbaren Teile: Keine 

Giftig: Nein, aber roh wegen Gerbstoffen nicht empfehlenswert 

Welche giftigen Teile: Keine toxischen Bestandteile, aber starke Adstringenz 

Verwechslungsgefahr mit: Andere Fingerkräuter (Potentilla-Arten), aber charakteristische Blüte und Wurzel


Verwendung in der Küche: Nicht gebräuchlich 

Beste Haltbarmachung: Getrocknet, dunkel und trocken lagern 

Lagerung der Pflanze: Getrocknete Wurzel kühl und trocken 

Das beste Rezept: Nicht relevant 

Die beste Speise: Nicht relevant 

Das beste Getränk: Blutwurztee (aus getrockneter Wurzel) 

Die beste Beilage: Nicht relevant


10 Unterarten/Varietäten in Europa (deutscher und botanischer Name): 

1.     Potentilla erecta subsp. erecta 

2.     Potentilla erecta subsp. grandiflora 

3.     Potentilla erecta subsp. neumanniana 

4.     Potentilla erecta var. glandulosa 

5.     Potentilla erecta var. rubricaulis 

6.     Potentilla erecta var. alba 

7.     Potentilla erecta var. hirsuta 

8.     Potentilla erecta var. minor 

9.     Potentilla erecta var. angustifolia 

10. Potentilla erecta var. latifolia


Drei häufig vorkommende Unterarten: 

-      subsp. erecta 

-      subsp. grandiflora 

-      var. glandulosa


Drei seltene Unterarten: 

-      var. alba 

-      var. latifolia 

-      var. rubricaulis


Guter Nachbar: Moorpflanzen wie Glockenheide, Wollgras, Heidekraut 

Schlechter Nachbar: Stark konkurrenzierende Pflanzen mit dichter Wurzelmasse 

Beste Mischkulturen: Naturnahe Pflanzungen mit Moor- und Feuchtpflanzen


Quellennachweis: 

-      Flora Europaea 

-      Pflanzen-Deutschland 

-      Heilpflanzenlexika 

-      Naturgarten-Ratgeber 

-      Wikipedia: Potentilla erecta