Hederich (Raphanus raphanistrum (syn. Eruca raphanistrum))
Der Hederich ist eine weit verbreitete Wildpflanze in Europa, die sowohl ökologisch als auch kulinarisch von Bedeutung ist. Hederich, wissenschaftlich bekannt als Raphanus raphanistrum (auch als Eruca raphanistrum synonyme), ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) und ist auch als Acker Rettich bekannt.
Diese Pflanze ist in Europa und Asien verbreitet und wird oft als Wildgemüse betrachtet. Sie hat essbare Blätter und Wurzeln und ist bekannt für ihren scharfen Geschmack.
In der traditionellen Nutzung wird sie häufig in Salaten oder als Gewürz verwendet.
Name (Deutsch): Hederich
Botanischer Name:
- Raphanus raphanistrum (Synonym: Eruca raphanistrum)
Gattung: Raphanus
Pflanzenfamilie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Name im Volksmund:
- Ackerrettich, Wilder Rettich, Senfrauke, Hederichsrauke, Bauernsenf
Wieviele Unterarten in Europa:
- Ca. 6 Unterarten, davon 3 häufig und 2 seltene
Anbauordnung: Wildpflanze, gelegentlich Kulturpflanze
Kulturart: Wildkraut, Gemüse (selten), Ölpflanze
Klimazone: Gemäßigte Zone, mediterran bis atlantisch
Erntezeitraum:
- März bis Oktober (Blätter und Blüten ganzjährig, Samen im Spätsommer)
Zehrer Art: Mittel Zehrer
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Verträgt keine Staunässe; bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit durchlässigem Boden. Kann in der Landwirtschaft als Unkraut auftreten, ist aber auch eine wertvolle Bienenweide.
Bemerkung:
- Ein- bis zweijährige Pflanze mit intensivem senfartigem Aroma; wächst schnell und bildet dichte Bestände. Wird oft mit Nutzpflanzen aus der Familie der Kreuzblütler verwechselt.
Bester Fundort in der Natur:
- Äcker, Brachflächen, Wegränder, Schuttplätze, Ruderalflächen, lichte Wälder
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Verträgt sich gut mit anderen Wildkräutern und Kräutern; fördert Biodiversität und lockt Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge an. Kann als Gründünger oder zur Bodenlockerung genutzt werden.
Blütenbeschreibung:
- Helle gelbe, vierzählige Kreuzblüten mit violetten Adern; Blütenblätter deutlich länger als Kelchblätter; Blütenstände in lockeren Trauben.
Blattbeschreibung:
- Tief eingeschnitten, fiederspaltig bis gezackt, hellgrün bis blaugrün, weich und saftig; Blätter sitzen direkt am Stängel (rosettig angeordnet).
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Aufrechter, verzweigter, kantiger Stängel; kann eine Höhe von 30–80 cm erreichen.
Samenbeschreibung:
- Kleine, runde, braune bis rötlich-braune Samen; in Schoten mit zwei Reihen Samen pro Schote.
Art der Wurzler: Tiefwurzelnd
Geruch der Pflanze:
- Intensiv senfartig, scharf-würzig, leicht bitter
Geschmack der Pflanze:
- Scharf, pfeffrig, senfartig, mit leicht bitterem Nachgeschmack
Lebenszeitspanne: Ein- bis zweijährig
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Fördert Nützlinge wie Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber. Wird von Schädlingen wie dem Kohlweißling oder der Kohlerdfloh befallen, kann aber auch als Fangpflanze für diese Schädlinge dienen.
Keimer Art: Lichtkeimer
Keimdauer: 7–14 Tage
Keimtemperatur: 10–20 °C (optimal 15–18 °C)
Keimvorbereitung:
- Keine spezielle Vorbereitung nötig; Samen nicht bedecken, da Lichtkeimer.
Keimfähigkeit in Jahren: 3–5 Jahre
Aussaatzeitraum:
- März bis September (Frühjahrs- und Sommeraussaat möglich)
Aussaat Tiefe: Oberflächlich, kaum bedecken (0,5–1 cm)
Abstand in der Reihe: 20–30 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 30–40 cm
Samen pro Pflanzloch: 2–3 Samen
Bevorzugte Beet Art:
- Wildkräuterbeet, Kräuterbeet, Mischkulturbeet, Gründüngerbeet
Idealer Boden:
- Durchlässig, nährstoffreich bis mäßig nährstoffreich, sandig-lehmig
pH-Wert des Bodens: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch)
Gießverhalten:
- Gleichmäßig feucht halten; nicht austrocknen lassen, aber Staunässe vermeiden.
Sonnenbedarf: Volle Sonne bis Halbschatten
Düngereinsatz: Gering; organischer Dünger (Kompost) bei Bedarf
Empfohlener Dünger: Kompost, Brennnesseljauche
Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein
Ist ein Spalier notwendig: Nein
Krautzuordnung:
- Wildkraut, Gemüse (selten), Ölpflanze, Bienenweide
Mit Heilwirkung: Ja
Wirkstoffe:
- Glucosinolate (z. B. Gluconapin), Senfölglykoside, Vitamin C, Eisen, Kalium, ätherische Öle
Anwendungsbereiche:
- Verdauungsfördernd, entzündungshemmend, harntreibend, stoffwechselanregend, äußerlich durchblutungsfördernd
Verabreichung: Essen, Saft, Tee, Umschläge, Tinkturen
Essbar: Ja
Welche essbaren Teile: Blätter, junge Triebe, Blüten, Samen
Giftig: Nein
Welche giftigen Teile: Keine bekannt
Verwechslungsgefahr mit:
- Ackersenf (Sinapis arvensis), Wilde Rauke (Diplotaxis tenuifolia), Raps (Brassica napus), Schwarze Rauke (Brassica nigra)
Verwendung in der Küche:
- Salate, Pesto, Suppen, Saucen, als Würzkraut für Fleisch, Fisch und vegetarische Gerichte, Senfherstellung
Beste Haltbarmachung:
- Frischhalten im Kühlschlagfach, Einfrieren, Trocknen (Aroma bleibt teilweise erhalten), Fermentieren zu Senf
Lagerung der Pflanze:
- Kühl, dunkel und feucht (z. B. in feuchtem Tuch im Kühlschlagfach) für frische Blätter; getrocknete Blätter luftdicht und dunkel lagern; Samen trocken und dunkel lagern.
Das beste Rezept: Hederich-Pesto mit Pinienkernen und Parmesan
Die beste Speise:
- Hederich-Salat mit Apfel, Walnüssen und Honig-Dressing
Das beste Getränk:
- Frisch gepresster Hederichsaft mit Karotte, Apfel und Ingwer
Die beste Beilage:
- Zu Käseplatten, Grillgerichten oder als Topping für Suppen
10 Unterarten in Europa (deutscher und botanischer Name):
- Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. raphanistrum
- Wilder Rettich – Raphanus raphanistrum subsp. landra
- Steppen-Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. rostratus
- Küsten-Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. maritimus
- Berg-Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. montanus
- Dünen-Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. arenicola
- Gelbblühender Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. flavus
- Zwerg-Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. microcarpus
- Südeuropäischer Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. australis
- Osteuropäischer Hederich – Raphanus raphanistrum subsp. ucrainicus
Drei häufig vorkommende Unterarten:
- Raphanus raphanistrum subsp. raphanistrum
- Raphanus raphanistrum subsp. landra
- Raphanus raphanistrum subsp. rostratus
Drei seltenste Unterarten:
- Raphanus raphanistrum subsp. montanus
- Raphanus raphanistrum subsp. arenicola
- Raphanus raphanistrum subsp. ucrainicus
Drei ältesten Unterarten:
- Raphanus raphanistrum subsp. raphanistrum (ursprüngliche Art)
- Raphanus raphanistrum subsp. landra (wilder Rettich)
- Raphanus raphanistrum subsp. rostratus (Steppen-Hederich)
Guter Nachbar:
- Salat, Radieschen, Zwiebeln, Kamille, Kapuzinerkresse, Karotten
Schlechter Nachbar:
- Kohlarten, andere Kreuzblütler (können Schädlinge und Krankheiten übertragen)
Beste Mischkulturen:
- Mit Kräutern wie Kerbel, Petersilie oder Dill; fördert gegenseitigen Wuchs und schützt vor Schädlingen. Eignet sich gut für Mischkulturen mit Erbsen oder Bohnen.
Quellennachweis:
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Artenliste Raphanus raphanistrum
- Europäische Datenbank für Biodiversität (EUNIS)
- Pflanzendatenbanken wie Plants for a Future und Kew Royal Botanic Gardens
- Fachliteratur: Heilpflanzen der Natur (Franckh-Kosmos Verlag)
- Küchenkräuter: Lexikon der essbaren Wildpflanzen (Stahl-Biskup & Schultze)
- Landwirtschaftliche Forschungsinstitute: Sortenbeschreibungen und Anbauempfehlungen
- Historische Quellen: The Herball or Generall Historie of Plantes (John Gerard, 1597)